Absage von Vortrag Johan Galtungs bei Kieler W-Events gefordert. Norwegischer Friedensforscher fällt durch antisemitische Aussagen auf.

Im Rahmen der Kieler Weizsäcker „W“-Events findet am 10.12.2012 um 18:30 Uhr im Audimax der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel ein Vortrag unter dem Titel „Frieden ist der Weg – Europa als Vorbild?“ statt. Zu diesem Vortrag ist der norwegische Mathematiker, Soziologe und Politologe Professor Johan Galtung eingeladen.

Prof. Galtung ist in der Vergangenheit wiederholt durch antisemitische Äußerungen aufgefallen, für die er von verschiedenen Seiten kritisiert wurde. Diese Äußerungen sind in in verschiedenen Interviews und Zeitungsartikeln dokumentiert. Unter anderem thematisierten die norwegische Zeitung Humanist sowie die israelische Zeitung Haaretz Galtungs Äußerungen. Galtung selbst fühlt sich missverstanden und falsch zitiert. In seinen Gegendarstellungen I & II wiederholt er die antisemitischen Äußerungen allerdings. Dabei handelt es sich um die antisemitischen Formen: Zionistische Verschwörung, Gleichsetzung Israels mit NS-Deutschland, Zuschreibung einer Mitschuld am Holocaust an Juden und Jüdinnen.

So behauptet Galtung nämlich (in seiner Richtigstellung!), dass 96% der US-Medien von sechs jüdischen Konzernen kontrolliert werden, die die Berichterstattung über den Nahen und Mittleren Osten beeinflussen („limiting the discourse about anything where Israel is involved“).

Galtung hält die Hypothese, dass der Mossad hinter der Tat des norwegischen Massenmörder Anders Behring Breivik stehen könnte, für diskutabel, weil am selben Datum, dem 22.7., im Jahr 1099 der Einzug der Tempelritter in Jerusalem stattfand und 1946 ein Bombenanschlag auf das King David Hotel verübt wurde. Englische Übersetzung

Auch gibt er jüdischen Menschen eine Mitschuld an ihrer Verfolgung und Vernichtung. Galtung selbst schreibt: „Schreckliche Pogrome, aber es ist nicht unproblematisch das Juden eine Rolle gespielt haben bei der Einforderung von Zahlungen von verschuldeten Bauern. Schreckliches Auschwitz, aber es ist nicht unproblematisch das die Juden eine Schlüsselnische in einer Gesellschaft besetzt hatten, die von der Niederlage und Versailles gedemütigt wurde.“ Zudem setzt Galtung aktuelles israelisches Handeln mit dem Vorgehen der Deutschen im Nationalsozialismus gleich: „Das Gaza Massaker vor einigen Monaten war eine wahrhaftige Kopie des Nazi Angriffes auf das Ghetto von Warschau…“

Mittlerweile haben international anerkannte Institutionen wie die World Peace Academy mit Sitz in der Schweiz auf die Vorwürfe gegen Galtung reagiert und ihn am 8. August 2012 suspendiert.

Den Machern der W-Events und Kooperationspartnern sind die antisemitischen Positionen bekannt, zeigen sich davon aber wenig beeindruckt. So wurde die ursprünglich geplante Veranstaltung im Juni lediglich abgesagt, um negative Presse zu vermeiden.

Der Koordinationskreis Antisemitismus fordert ausdrücklich die Absage der Veranstaltung. Kein Auditorium für Antisemiten.

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4 thoughts on “Absage von Vortrag Johan Galtungs bei Kieler W-Events gefordert. Norwegischer Friedensforscher fällt durch antisemitische Aussagen auf.

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  3. Da Joscha T zensiert versuche ich es hier.

    Zu den Vorwürfen des Antisemitismus äußert sich Prof. Galtung wie folgt:

    Wider den Antisemitismus:

    “Um den Antisemitismus zu bekämpfen, muss man wissen was darunter zu verstehen ist. Antisemitismus ist ein Syndrom menschenverachtender Vorurteile, und deshalb aufs schärfste zu verurteilen. Entsprechend verwahre ich mich auch ausdrücklich gegen eine derartige Verleumdung. Mein gesamtes Schaffen steht unter dem Grundsatz Homo Homini Sacra Res. Der Mensch hat dem Menschen heilig zu sein. Das ist der Maßstab, mit dem sich meiner Ansicht nach jeglicher politische Akt messen lassen muss, dies gilt neben den Handlungen der Hamas, Irans und Syriens auch für die Politik Israels.

    In Bezug auf Antisemitismus interessiert es mich, erstens zu verstehen und zu erklären, auf welchen tiefenkulturellen Denkmustern gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit im Allgemeinen und Antisemitismus im Besonderen fußen, um Vorschläge zu deren Überwindung zu erarbeiten. Zweitens gilt es, Gewaltphänomene in ihren Bedingungen, Erscheinungsformen und Folgen zu verstehen, zu erklären und unter Ausschluss gewaltsamer Mittel zu überwinden. Diese Schritte (Gewalt erkennen, verstehen, erklären und gewaltlos überwinden) sind es, die eine konstruktive Friedensforschung, für die ich stehe, überhaupt erst ermöglichen. Für dieses Erkenntnisinteresse setze ich mich mit Beharrlichkeit, Klarheit und Konsequenz ein, und schließe damit jeglichen Antisemitismus kategorisch aus. Zugleich lässt sich das Thema nicht bearbeiten, ohne festzustellen, dass dieser an sich wichtige Begriff auch missbraucht wird. Wenn neben dem ehemaligen U.S Präsidenten Jimmy Carter, auch namhafte Humanisten, Nobelpreisträger oder Menschenrechtler wie Richard Falk, Daniel Barenboim, Judith Buttler, Günter Grass, Evelyn Hecht-Galinsky, Richard Dawkins, Hanna Arendt, Desmond Tutu, Felicia Langer, Norman Paech, Mairead MaGuire, oder Noam Chomsky des Antisemitismus bezichtigt werden, kommt eine kritische Gegenwartsdiagnostik nicht umhin, den Ge- und Missbrauch des Begriffs zu reflektieren. Kurzum: Es reicht nicht, lediglich gegen Antisemitismus zu sein, ohne auch die, zum Teil zweifelhaften Funktionen, zu denen dieser Begriff verwendet wird, zu erfassen und offenzulegen, und für mich reicht es auch nicht hin, gegen Antisemitismus zu sein, wenn keine konkreten und konstruktiven Vorschläge unterbreitet werden, die zu dessen Überwindung beitragen.

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